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Mandy Falke

Weiterleben lernen

die Schönheit im Loslassen

„Dieser Blumenstrauß ist genau jetzt für uns schön. Ich kann dir nicht versprechen, wie er morgen aussieht und übermorgen ist er vermutlich verwelkt. Aber wäre es nicht schade …

Löwenzahn, Gänseblümchen und diese lila Blüten vom Klee. Aus einer solchen Kombination besteht der Blumenstrauß, den meine Tochter mir überreicht und er ist wirklich schön. Viel schöner ist natürlich die dahinter stehende Geste und die Freude in den Augen meiner Tochter.

„Danke“, sage ich und will ihn in der Jackentasche verstauen. Keine gute Idee, findet die 6Jährige. Er könne dort zerknicken. Und zuhause muss er dann schnell in eine Vase. Da müssen wir dann gucken, ob er immer genug Wasser hat. Sonst verwelkt er ja. Er darf nie verwelken. Ihre Augen füllen sich mit Tränen, als sie weiterdenkt und ihr klar wird, dass er es irgendwann tun wird.

Schönes festhalten zu wollen, ist ein Wunsch, den ich so sehr nachvollziehen kann: den harmonischen Moment mit den Kindern am Lagerfeuer - währenddessen schon werde ich melancholisch, weil ich weiß, dass er vergehen wird. Das niedliche (und krass anstrengende..) Kleinkindalter des 2Jährigen. Der besagte Blumenstrauß. Alles im Leben und das Leben selbst. Und dann dieser Schmerz, wenn man erkennt, dass alles vergänglich ist.

„Dieser Blumenstrauß ist genau jetzt für uns schön. Ich kann dir nicht versprechen, wie er morgen aussieht und übermorgen ist er vermutlich verwelkt. Aber wäre es nicht schade, wenn wir uns jetzt nicht über seine Schönheit freuen können, nur weil diese morgen vielleicht nicht mehr da ist?“

Meine Tochter schüttelt ihren Kopf und ich senke meinen. Ich verstehe sie doch so sehr und wie soll ich etwas vermitteln, was ich selbst erst erlerne? Ich kann es nur gemeinsam mit ihr üben. Denn auch mir fällt es sehr schwer, zu verinnerlichen, dass man aufhören muss, festzuhalten, um das Herz ganz frei haben zu können.