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Mandy Falke

Weiterleben lernen

Ode an die Meditation

Einatmen. Ausatmen. Ich möchte mich genau auf diese simple Tätigkeit konzentrieren. Auf mehr nicht. Meditation ist gut. Ich weiß das. Ich habe sogar mal ein Referat darüber …

Einatmen. Ausatmen. Ich möchte mich genau auf diese simple Tätigkeit konzentrieren. Auf mehr nicht. Meditation ist gut. Ich weiß das. Ich habe sogar mal ein Referat darüber gehalten. Gnihihi. Also: An nichts denken. Hm, aber ich denke ja an was.

Meine Gedanken sind wie Wolken: ich beobachte, wie sie kommen und wie sie gehen. Ich halte sie nicht fest. Überhaupt gar nichts sollte ich festhalten. Genau so mache ich das jetzt.

Jetzt tut der Rücken weh. Wer kann schon bitte die ganze Zeit so gerade sitzen? Ach Mist, jetzt denke ich ja doch. Wie viel Übung braucht es eigentlich, um das hier zu beherrschen?

Einatmen. Ausatmen. ABER ICH DENKE DOCH DIE GANZE ZEIT! Ok, hör erstmal auf, wütend zu werden. Denk an die Claudia. Oder den Udo. Ob der wohl noch lebt? Die haben ständig meditiert. Und wie sehr die in sich selbst geruht haben! Aber ne, daran sollte ich nicht denken. Ich möchte ja nicht denken.

Also los, Geist. Klär dich mal ein bisschen. Vielleicht sollte ich loslassen. Mal einfach alles loslassen und mich dem Moment hingeben. Ach, was. Hör doch auf dir selbst so platte Ratschläge zu geben. Ich würde es ja tun und will gerade lernen, wie das geht. Also weiter: einatmen. ausatmen.

Eigentlich hab ich keine Zeit dafür. Gab es da nicht mal ein Zitat? „Wenn du täglich keine Zeit hast, um zehn Minuten täglich zu meditieren, dann meditiere eine halbe Stunde.“ so oder so ähnlich. Meditation muss ein absolutes mega Tool sein. Ich üb das jetzt und irgendwann kann ich das. Hach, liebes Ego, lieber Verstand, ich werde euch vollkommen transzendieren. Also, wenn das hier irgendwann mal klappen sollte.

Woran merke ich denn, dass ich nichts mehr denke? Das muss schön sein, schätze ich. Von den Gedanken befreit sein. Hey, ich denke zwar, aber ich bin nicht meine Gedanken. I know. Und genau das will ich jetzt erleben. Konzentriere dich jetzt doch mal!

Ach ne, streng mit mir selbst sollte ich vielleicht nicht sein. Es geht ja um Annahme. Hingabe. Ok. Ich glaube, das hat jetzt nicht so gut geklappt, oder? Hör doch auf, es ständig zu bewerten. Du übst es morgen einfach weiter.

„Bei der Meditation geht es nicht um den Versuch, irgendwo hinzugelangen. Es geht darum, dass wir uns selbst erlauben, genau dort zu sein, wo wir sind, und genau so zu sein, wie wir sind, und desgleichen der Welt zu erlauben, genau so zu sein, wie sie in diesem Augenblick ist.“ (Jon Kabat-Zinn)

„Ihr solltet Meditation üben beim Gehen, Stehen, Liegen, Sitzen und Arbeiten, Abspülen, Kehren und Teetrinken, im Gespräch mit Freunden und bei allem, was ihr tut. Wenn ihr abwascht, denkt ihr vielleicht an den Tee danach und versucht, es so schnell wie möglich hinter euch zu bringen, damit ihr euch setzen und Tee trinken könnt. Das bedeutet aber, daß ihr in der Zeit, wo ihr abwascht, nicht lebt. Wenn ihr abwascht, muß der Abwasch das Wichtigste in eurem Leben sein. Und wenn ihr Tee trinkt, dann muß das Teetrinken das Wichtigste auf der Welt sein.“ (Thich Nhat Hanh)

„Wenn Du der Stille gewahr wirst, dann ist da sofort ein Zustand von stiller Wachsamkeit. Du bist präsent. Du bist aus einer kollektiven menschlichen Konditionierung von Tausenden von Jahren ausgestiegen.“ (Eckhart Tolle)

„Meine Meditation ist simpel. Sie bedarf keiner komplexen Praktiken. Sie ist tanzen, sie ist singen. Sie ist in Stille zu sitzen.“ (Osho)

„Die Meditation lehrt uns, wie wir loslassen und inmitten des Wandels in unserer Mitte bleiben können. Wenn wir erst einmal eingesehen haben, dass alles unbeständig ist und wir es nicht festhalten können und dass wir eine gewaltige Menge Leid auf uns ziehen, wenn wir daran haften, dass die Dinge gleich bleiben, dann erkennen wir auch, dass die klügere Art zu leben darin besteht, sich zu entspannen und loszulassen.“ (Jack Kornfield)

„Wenn man einfach dasitzt und beobachtet, merkt man, wie ruhelos der Geist ist. Wenn man versucht, ihn zu beruhigen, wird es nur noch schlimmer. Mit der Zeit wird er jedoch ruhiger, und wenn dies geschieht, bleibt Raum, subtilere Dinge zu hören – das ist der Moment, in dem die Intuition sich entfaltet, man Dinge klarer sieht und mehr der Gegenwart verhaftet ist. Der Geist arbeitet langsamer, und man erkennt eine enorme Weite im Augenblick. Man sieht so viel, was man bereits hätte sehen können.“ (Steve Jobs)