Liebe Dame vom Bafög-Amt,

Liebe Dame vom Bafög-Amt,

vielen Dank, dass Sie mir fünf Wochen nach meinem Schreiben mitteilen, dass Sie es nicht bearbeiten können, weil darunter meine persönliche Unterschrift fehlt (es ist eine E-Mail, by the way).

Natürlich werde ich Ihrem UNVERZÜGLICHEM Wunsch nachkommen, und NOCHMALS bei diversen Ärzten vorstellig werden, die mir sicher gerne abermals bescheinigen, dass ich während meiner Chemo WIRKLICH gesundheitliche Einschränkungen hatte.

Selbstverständlich werde ich meine Ärzte auch, wie von Ihnen gefordert, darum bitten, aufzuschlüsseln, an welchen Tagen (Anzahl!) mich welche Einschränkungen genau (Angabe des Schweregrades!) davon abhielten, die durchschnittliche Studienleistung zu erbringen. Genau, die Zahl 80 auf meinem Schwerbehindertenaus-weis müssen Sie nicht beachten, die dient vermutlich nur der optischen Auflockerung des Ausweises oder jemand wollte sich kalligrafisch austoben.

Die zahlreichen Krankenhausberichte können Sie ja einfach als Briefbeschwerer nehmen, wenn Sie sie nicht lesen möchten.

Selbstredend hätte ich zwischen dem Entfernen von Körperteilen und der täglichen Dosis radioaktiver Strah-lung etwas mehr Elan für die wirklich wichtigen Dinge im Leben zeigen können. Entschuldigen Sie, dass mein Gehirn nebst trägem Körper durch das drohende Le-bensende unzureichende Zeit in der Bibliothek verbracht hat.

Sollte ich jemals wieder eine Chemo machen (es waren übrigens 16!), werde ich Ihnen natürlich eine Postkarte zukommen lassen, wie ich Cocktails schlürfend auf mei-nem Balkon liege und mir heimlich ins Fäustchen lache.

Gerne werde ich auch die kommenden Tage dafür opfern, um Ihnen alle weiteren aufgelisteten Wünsche zu erfüllen und im Keller nach uralten Unterlagen zu wüh-len – it’s a pleasure for me to make you happy.

Wenn Sie mal wieder das Bedürfnis verspüren, privaten Frust oder beruflichen Übereifer an dieser Stelle zu kom-pensieren, zögern Sie nicht, mich mit weiteren Auflagen zu amüsieren.

Vor Ihrem wohlwollenden Urteil auf Knien rutschend,
die Studentin mit den eigentlich auch anders lautenden Plänen

PS:
Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig.