Autofahrt durch Berlin

Wir fahren einmal quer mit dem Auto durch Berlin. Ich erzähle dem Mann neben mir meine Zweifel hinsichtlich meiner Lebenssituation. Manchmal, so sage ich, kommt es mir vor, wie eine Aneinanderreihung von Pflichten, die für sich betrachtet echt ok, in der Summe aber zu viel sind.

„Am liebsten hätte ich mehr Zeit für die Kinder, für Kreatives und für mich, aber ich muss ja dieses tun und jenes und dann ist der Tag vorbei und ich sitze da mit Schuldgefühlen, Frust und Überforderung. „Aber ich muss ja…“, rede ich weiter.

Er schaut mich an und zieht eine Augenbraue hoch.
„Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“, fängt er an.

Es ist schon etwas her, eine ganze Weile bereits. Er war Schauspieler in einer bekannten deutschen Fernsehserie. Beinahe 10 Jahre lang.

„Ich ging an den Geldautomaten und drückte auf 500 EUR. Oder auf 1000 EUR. Einfach so. Es war so einfach. Und ich war so unglücklich. Und dann, ohne dass ich wusste, was ich stattdessen tun soll, entschied ich, dass es das nicht mehr ist. Und ich hörte auf.“

Er erzählte von Begebenheiten, die in der Folge dann eintrafen. „Zufälle, könnte man meinen. Oder einfach Schicksal. Ich bin mir da heute nicht mehr so sicher.“

Am anderen Ende der Welt fand er sich zwischendurch wieder. Hardend mit der Welt.

„Und dann fügte sich plötzlich alles. Ich hatte ja keine Idee, wie es weitergehen sollte. Ich hatte mich lediglich entschieden, der Stimme meines Herzens zu folgen. Mich nicht Erwartungen anderer zu fügen, sondern einen Weg zu gehen, von dem ich nicht mal wusste, ob es einer sein wird. Und soll ich dir sagen, was ich gelernt habe? Es kann nie falsch sein, dem Herzen zu folgen. Und manchmal ist vielleicht erstmal kein Weg erkennbar. Aber das liegt daran, dass Wege immer erst entstehen, wenn man sie geht.“

„Es ist alles nicht so einfach“, möchte ich ansetzen.

„Natürlich nicht, dann würde es ja jeder machen. Aber es kann einfach werden und ich weiß, es fällt dir schwer, aber wie wäre es denn, wenn du mal versuchst, dem Leben einfach Vertrauen zu schenken?“

„Es wäre komplettes Neuland“, antworte ich und mein Herz fängt aufgeregt an zu hüpfen.