Und hier stehe ich nun

Und hier stehe ich nun.
Immer noch unschlüssig, was die Welt von mir möchte
oder was ich von alldem halten soll. Mit dem Gefühl, dass
sich das Leben plötzlich wie eine unverhoffte Zugabe anfühlt.
Man hat die Konzertkarte gekauft, ausgelassen gefeiert,
zu melancholischen Liedern das Feuerzeug in die
Höhe gehalten und war gedanklich schon fast dabei, seine
Jacke aus der Garderobe abzuholen.

Und als die Band sich gerade von der Bühne schleichen
wollte, gehen plötzlich alle Scheinwerfer wieder an und
man erlebt auf einmal eine geballte Euphorie und Dankbarkeit,
weil man eigentlich gar nicht mehr damit gerechnet
hatte.

Zugleich ist da auch diese Angst, dass nach dem nächsten
Lied aber wirklich wirklich alles vorbei sein könnte.
Und dass dann das Licht ausgeht und kein Gekreische und kein
Applaus dieser Welt die Musiker zurück auf die Bühne
bringen würde und der Vorhang unweigerlich zufallen
könnte.
Und du weißt, vielleicht ist alles, was du noch hast, dieses
eine verdammte Lied.

Diese Vorstellung ängstigt dich so sehr, dass du es
zwar gerne genießen und tanzen würdest, aber deine Beine
starr vor Schreck nicht wissen, wohin sie treten sollen
und deine eigene Stimme so leise ist, dass selbst du sie im
Gewirr der Geräusche kaum entschlüsseln kannst.
Deine Füße kleben auf dem dreckigen Boden fest und
eigentlich musst du auch mal Pipi, aber wie könntest du
den Saal jetzt verlassen, wenn der charismatische Sänger
mit der Gitarre um den Schultern doch nur für dich spielt
und seine Augen dabei so wunderschön funkeln?
Und du nicht weißt, ob du dich nun in dieses Leben verlieben
möchtest oder aus vermeintlichem Selbstschutz lieber
doch das ganze Lied lang diesen verfluchten schweren
Vorhang anstarren solltest.

Und hier stehe ich nun.