Wofür tust du es?

Wofür tust du es?

Eine sehr mächtige Frage.

Ich sitze gemütlich mit den Kindern  zusammen. Wir lesen ein Buch. Also, ich lese es vor und sie hören zu.Gedanklich bin ich aber nicht richtig da:

Ach manno, wie lange geht das Buch denn noch? Ich muss doch noch was für die Uni tun. (hinterfrage!)
Na, das ist wichtig, damit ich mal in einem Beruf arbeiten kann, in dem ich ok viel Geld verdiene. (hinterfrage!)
Und wenn ich dann genug Geld verdiene, können wir irgendwann mal in eine größere Wohnung umziehen. (hinterfrage!)
Das wäre total schön, dann hätten wir ausreichend Platz und das wäre gut. (hinterfrage!)
Dann könnte ich mich abends hinsetzen, es mir mit den Kindern gemütlich machen und ihnen in Ruhe ein Buch vorlesen. (oh!)

Was du suchst, ist manchmal gar nicht so weit weg, wie du glaubst.

Das heißt übrigens nicht, dass es generell Quatsch ist, zum Beispiel an einer beruflichen Zukunft zu arbeiten. Es heißt allerdings, dass es Quatsch ist, in der Zukunft das zu suchen, was sich bereits vor deinen Füßen befindet.

Am Ende ist die Antwort auf die Eingangsfrage häufig, dass du es für die Liebe tust.

Wofür willst du dieses überteuerte Auto haben? Weil es gut aussieht? Und weiter? Weil du dann deine neue Freundin beeindrucken würdest? Und weiter? Dann wäre sie stolz auf dich und würde dich mehr lieben? Das gilt es zu hinterfragen, aber dein Wunsch ist jedenfalls nicht das teure Auto, sondern das Bedürfnis nach Liebe, Anerkennung oder Wertschätzung.

Wir wollen Gegenstände, Titel und Urkunden sammeln, weil es uns um die Gefühle geht, die diese Dinge bei uns auslösen sollen.

Und oft verirren wir uns auf unserer Suche: ich möchte mehr Geld, mehr Weisheit, mehr dies und das und DANN, ja, dann kann ich es mir gestatten glücklich zu sein. DANN bin ich endlich liebenswert.

Da gab es doch diese Geschichte, die sinngemäß so ging:

Ein alter Mann sitzt am Meer und angelt in Ruhe vor sich hin. Ein Geschäftsmann kommt vorbei. „Na, du scheinst ja viel Zeit zu haben, dass du dir das einfach erlauben kannst. Du solltest mehr arbeiten, so wie ich. Ich gehe täglich morgens ins Büro. Dann arbeite ich den ganzen Tag und verdiene Geld. Echt viel Geld. Das solltest du auch machen, anstatt hier einfach nur rumzusitzen. Weißt du, was ich mir deswegen erlauben kann: Urlaub am Meer machen und einfach mal in Ruhe angeln.“

A)

Wofür tust du, was du tust? Was suchst du?

B)

Lässt es sich da finden, wo du suchst? Oder verläufst du dich und gehst einen Um- oder Irrweg?

C)

Gib dich nicht immer mit der ersten Antwort zufrieden. Du tust es, weil du halt dieses Haus, diesen Mann, diese Bikinifigur oder diesen Beruf möchtest? Hinterfrage es. Was steckt dahinter? Oft ist die Antwort einfach: ich möchte lieben und geliebt werden. Und oft ist der Weg dahin gar nicht so schwierig, wie du glaubst. Was dir im Wege steht, bist häufig nur du selbst.