Ricarda Kinnen im Interview

Auf Ihrem Instagramprofil happy.free.me teilt Ricarda die Geschichte ihrer Brustkrebsdiagnose und möchte anderen Betroffenen helfen. Ihre Sichtweise ist durch naturheilkundliche und spirituelle Vorstellungen gekennzeichnet und soll anderen Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen.

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Ricarda, auch du bist deinen eigenen Weg durch die Krebserkrankung gegangen. Erzähl doch erstmal ein wenig über dich. Wie würde deine beste Freundin dich beschreiben und welche Eigenschaften an dir magst du besonders gerne?

Meine beste Freundin würde mich als stark und selbstbewusst beschreiben, obwohl ich mich oft gar nicht so fühle. Ich bin ein herzlicher und fröhlicher Mensch mit Humor und Lebensfreude. Allerdings bin ich auch oft sehr melancholisch, verletzlich und scheu. Ich bin neugierig und emphatisch, kann mich gut in andere hineinversetzen und berate die Menschen gerne – manchmal auch ungefragt ;-). Ich hätte mich niemals als mutig bezeichnet, dennoch hat die Krankheit eine große Kraftreserve in mir mobilisiert. Ich bin irgendwie zartbesaitet und doch zäh. 😉

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Wie hast du auf deine Krebsdiagnose reagiert? Hattest du gleich einen „Fahrplan“ im Kopf, wie du weiter vorgehen möchtest? Wie und wo hast du dich informiert?

Natürlich war ich zuerst geschockt. Das kam so unerwartet, wie für jede von uns wahrscheinlich. Dann bin ich in Aktionismus verfallen, habe mich sofort um ärztliche Betreuung und weiterführende Diagnose gekümmert. Die Heulattacken kamen erst 1 bis 2 Tage nach der Diagnose, als ich realisiert habe, was da alles auf mich zukommt.

Eine befreundete Ärztin und Anästhesistin hat mir den Kontakt zu einem plastischen Chirurgen gemacht, der wiederum mit Gynäkologen und Onkologen zusammenarbeitet. Mein Hausarzt hat mich gut beraten und mich an ein Münchner Brustkrebszentrum verwiesen, das auch komplementäre Behandlung mit anbietet. Das war mir von Anfang an klar: ich wollte dem Krebs auf allen Ebenen begegnen und das gesamte Wissen der Naturmedizin und alternativer Therapieformen mit an Bord nehmen. Das war mein Fahrplan: die Schulmedizin mit Naturmedizin unterstützen und mich durch konsequente Innenschau mit meinen emotionalen Baustellen beschäftigen.

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Wie bist du mit den Empfehlungen der Ärzte umgegangen? Hast du alle Ratschläge befolgt und wenn nein, wie haben die Ärzte auf dein Vorgehen reagiert?

Ich habe mit der Zeit gelernt sehr eigenverantwortlich zu agieren. Ich wollte handeln und nicht nur mich behandeln lassen. Deshalb habe ich viel selbst recherchiert und oft die Maßnahmen und Therapievorschläge hinterfragt. Nach dem zweiten Chemozyklus habe ich mich komplett gegen die weitere Chemotherapie und Bestrahlung entschieden. Mein Tumor war um 90% geschrumpft, ich wollte die OP und danach als Rezidivprophylaxe eine homöopathische Behandlung von einem renommierten Arzt und Krebsspezialisten. Als ich das den Schulmedizinern verkündet habe, waren sie nicht begeistert, aber sie haben es akzeptiert. Das lag bestimmt daran, dass ich zu dem Zeitpunkt innerlich sehr überzeugt von der Richtigkeit meiner Entscheidung war – und es immer noch bin.

Anfangs hatte ich das Selbstvertrauen noch nicht und habe mich während der Chemo auch nicht besonders gut betreut gefühlt. Je mehr Selbstbewusstsein und Bestimmtheit, ja vielleicht Störrigkeit ich an den Tag gelegt habe, umso mehr wurde ich von der Ärzteschaft akzeptiert. Ich hatte das Glück von einem guten, onkokologisch versierten TCM-Arzt mitbetreut zu werden. Die Gespräche mit ihm waren wirklich auf Augenhöhe. Ich habe mich als Patientin gesehen gefühlt, mit meiner Persönlichkeit und meinen individuellen Bedürfnissen. Ich denke das ist so wichtig. Nicht nur die „Patientin mit Brustkrebs“ zu sein, sondern ein Mensch mit Geist und Seele.

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Ärzte haben oft wenig Zeit, führen Gespräche zwischen Tür und Angel und Patienten kommen manchmal kaum zu Wort. Wenn man mit den Meinungen der Ärzte nicht konform geht, reagieren manche sogar eingeschnappt. Was würdest du anderen Patienten raten, wenn es darum geht, ein mündiger Patient zu werden?

Vertraue deiner Patientenkompetentz. Du hast eine innere Stimme, die dich sehr gut beraten kann. Es ist dein Körper, dein Leben, du trägst eine Heilerin in dir. Informiere dich umfassend über die Therapievorschläge, hol dir immer eine zweite Meinung ein, wenn du möchtest und sei unangenehm, wenn’s sein muss. Störrische Patienten leben länger!

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Wenn ich dich richtig verstanden habe, betrachtest du eine Krebserkrankung ganzheitlich. Gehst du davon aus, dass Krebs lediglich „Pech“ oder „Zufall“ ist oder siehst du eine tiefere Bedeutung hinter dieser Erkrankung? Manche Menschen bezeichnen Krebs als eine Art „Weckruf“. Würdest du da mitgehen?

Ich denke es sind vielfältige Faktoren, die ein Krebsgeschehen begünstigen: Zum einen Toxine und Umwelthormone, genetische Mutationen, sowie Störungen auf Zellebene. Zusätzlich beeinflusst wird dein System von deiner körperlichen, emotionalen und mentalen Verfassung, wie viel Sport du treibst, was du isst, wie du schläfst, was du denkst und fühlst. Es ist allerdings wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass die Ursachen der Erkrankung multifaktoriell bedingt sind. Viele verschiedene Bausteine in deinem Leben haben – eventuell – zu dieser Erkrankung geführt. Es gibt nicht die EINE Ursache, genauso wenig wie es den EINEN Heilungsweg gibt. Alles ist vielschichtig und individuell, genauso wie DU.

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Du schreibst an einem Buch. Ein ganzheitlicher Krebsratgeber. Was habe ich darunter zu verstehen? An wen richtet sich dieses Buch? Worauf basiert deine Expertise?

Zusammen mit einem meiner behandelnden Ärzte, dem Mediziner und Homöopathen Dr. med. Jens Wurster, beleuchte ich Themen, wie schulmedizinische Therapieformen, Nebenwirkungen mindernde Maßnahmen, Ernährung und Homöopathie, sekundäre Pflanzenstoffe ebenso, wie die Bedeutung der spirituellen Komponente und des Body-Mind-Gleichgewichts. Dieser Ratgeber soll an Brustkrebs erkrankten Frauen zur Seite stehen, Mut machen und einen individuellen Weg zu körperlicher, emotionaler und spiritueller Heilung zeigen. Als ausgebildete Heilpraktikerin und Ayurvedaexpertin konnte ich mithilfe von Fachleuten aus alternativer und Schulmedizin und den Erfahrungen meiner eigenen Brustkrebsreise viele nützliche Informationen sammeln, die ich gerne weitergeben möchte.

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Sag mir gerne auch noch, ab wann und wo man dein Buch erwerben kann.

Das Buch heisst: „Diagnose Brustkrebs: Selbstbestimmt die Heilungschancen fördern“ (Ricarda Kinnen, Dr. med. Jens Wurster). Es ist ab dem 20. September im Handel erhältlich.

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Gibt es andere Bücher, die du Krebserkrankten ans Herz legen würdest?

Ja 🙂 vor allem „Neun Wege in ein krebsfreies Leben“ von Kelly Turner.

Dieses Buch hat mir auf meiner Reise Mut gemacht und mich darin bestärkt, zu verstehen, wieviel Heilkraft in uns selbst liegt. Ich wünsche mir, dass auch mein Buch die Leserin zur eigenen inneren Heilerin führt, zum selbstbestimmten und mächtigen ICH.

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Zum Schluss gerne noch ein paar Infos über dich: Was ist eigentlich dein Lieblingsbuch? Hast du einen ultimativen Tipp bei Angstzuständen? Wodurch gerätst du in einen Flow-Zustand?

Huijuijui…mein Lieblingsbuch? –  eine schwere Frage mich da festzulegen, denn ich bin ein Buchjunkie :-). Zu meinen Lieblingsautoren gehören ua.: Doris Dörrie, T.C. Boyle, John Irving und Joachim Meyerhoff. Die beiden letzten Bücher die mich fasziniert und berührt haben sind: „Happiness“ von Tina Turner und „Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden“ von Lori Gottlieb.

Einen ultimativen Tipp bei Angstzuständen habe ich nicht. Mich beruhigt die Natur, ein Waldspaziergang, Meeresrauschen oder das Beobachten von Tieren. Das relativiert die Dinge irgendwie, ich kann mich als Teil dieser Welt sehen und auch die Schönheit um mich herum geniessen. Dadurch wird meine Angst kleiner, denn ich spüre mehr Liebe und Wohlwollen. Neben der Liebe kann Angst nur schwer existieren :-). Manche Meditationen, vor allem Klangmeditationen bringen mich in einen Flowzustand, zumindest temporär. Das liegt vielleicht daran, dass ich seit 30 Jahren Sängerin bin und Musik, meiner Erfahrung nach, so viel wohltuende Energien im Körper mobilisiert. Also habe ich doch einen Tipp gegen Angst: Singen :-)!

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Ganz lieben Dank Ricarda, dass du dir die Zeit genommen hast!

Vielen lieben Dank Mandy für die Einladung zum Interview. Danke für die Zeit, die du dir genommen hast und deine tollen Fragen.

Herzlichst, Ricarda