Wie kann ein Umgang mit der Angst aussehen?

Eine Frau Mitte dreißig, sie hatte Brustkrebs und kleine Kinder, stirbt. Ich lese es in den Medien.
Mein Verstand tut das, wofür er ausgelegt ist und verschafft sich Gehör, indem er spitzfindig „Parallele! Parallele!“ ruft.

„Es ist ein großes medizinisches Problem, dass Metastasen oft erst viele Jahre nach einer scheinbar erfolgreichen Krebsbehandlung auftreten“, lese ich weiter, weiß es ja längst und verfalle doch in meine bekannte Angstspirale. #hellodarknessmyoldfried

„Sind diese Gedanken denn nützlich oder nicht?“, frage ich mich und muss es verneinen.
Angst ist grundsätzlich erstmal sinnvoll. Sie kann schützen. Etwa, wenn ich nachts im Dschungel vor einem Tiger stehe.

Angst kann aber auch blockieren. Nämlich dann, wenn es absolut irrelevant ist, ob ich schnell vor einem Tiger davonrennen kann, weil keiner da ist und die Angst in diesem Falle mir nicht nützt, sondern schadet.

„Was müsste passieren, damit ich diese Angst nicht hätte?“, setze ich die Therapiestunde mit mir selbst fort.„Ich bräuchte Sicherheit“, ist die auf der Hand liegende Antwort.
„Niemand hat jemals Sicherheit. Sicherheit ist eine Illusion“, werfe ich ein und fühle mich gar nicht so sehr merkwürdig im Zwiegespräch mit mir selbst.
„Gibt es denn etwas Positives an der Angst?“, versuche ich mich aus der Defensive zu locken und weiß, dass Fragen dieser Art ziemlich gemein werden können.

„Wenn ich der Angst was zugute halten soll, dann dass sie mich eine Menge über mich lehrt.“ Ein erstes Zugeständnis an die Angst. Wackliger Boden.

„Welche Techniken zum Umgang mit Angst haben denn in letzter Zeit geholfen?“

Ich habe erkannt, dass ich zwar Angst habe, aber ich bin nicht diese Angst. Und ich habe Gedanken, aber bin nicht identisch mit meinen Gedanken.
Meine Gedanken sind nicht automatisch immer wahr. Fakten und Wahrnehmungen verschmelzen manchmal und werden eins.
Und auch, wenn mein Verstand mit der Angst gemeinsam Salsa tanzt, so gelingt es mir immer öfter, eine sich distanzierende Meta-Ebene einzunehmen. Ich erkenne dann, dass mein Verstand mir ein guter Wegbegleiter ist, aber das Leben in seiner Gesamtheit nicht immer von diesem erfasst werden kann.