Über das Muttersein

Es kommt vor, dass ich unfair bin. Dass ihr abends vor mir steht und noch ein Buch anschauen wollt, mir nochmal eure Mückenstiche zeigen möchtet oder ich die Spinne in der Ecke eures Zimmers angucken soll. Und ich euch dann wegschicke, weil ich lernen oder den Haushalt machen möchte. Oder einfach meine Ruhe brauche, weil die Nerven oft eher aufgebraucht sind als der Tag.

Ich gebe mein Bestes und manchmal ist das Beste, was ich zu geben habe, ein „gerade noch genug“. Und gelegentlich vielleicht nicht mal das.

Und irgendwann seid ihr groß und erinnert euch an die Momente, in denen ich euch zu wenig beachtet habe, euch nicht genug zugehört habe oder ihr euch nicht von mir gesehen gefühlt habt.
Diese Momente wird es zweifellos geben, auch wenn es mir weh tut, wenn ich daran denke und ich hoffe, wir können dann darüber sprechen.

Meine Liebe zu euch ist immer da gewesen und grenzenlos, in jedem Moment, auch wenn sie manchmal durch die Anstrengung, die Wut und die Ohnmacht des Alltags verdeckt war.
Bitte versucht euch dann vor Augen zu führen, dass der Makel nie bei euch lag.
Wenn ich euch nicht genug beistehen konnte, dann deshalb, weil ICH es in dem jeweiligen Moment nicht konn-te und keinesfalls aus dem Grund, dass ihr es nicht wert gewesen seid.

Und ihr ward auch nie zu anstrengend, sondern manchmal war es mir zu anstrengend. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Euer Wert ist immer da. Er wird nicht von mir bestimmt und auch von niemanden sonst.
Selbst wenn ihr irgendwann einmal daran zweifeln solltet, dann könnt ihr das zwar tun, aber es ändert nichts daran, dass ihr wichtig und wertvoll seid. Für mich. Für euch. Für andere Menschen und für die Welt.
Lasst euch bitte von niemandem das Gefühl vermitteln, dass ihr nicht genug oder nicht liebenswert genug seid. Nicht von anderen Menschen. Nicht von euch selbst. Und erst recht nicht von mir.