Kategorie: Gedankenschnipsel

Hier findet ihr einige Texte und Gedanken von mir.

Wie kann ein Umgang mit der Angst aussehen?

Eine Frau Mitte dreißig, sie hatte Brustkrebs und kleine Kinder, stirbt. Ich lese es in den Medien.
Mein Verstand tut das, wofür er ausgelegt ist und verschafft sich Gehör, indem er spitzfindig „Parallele! Parallele!“ ruft.

„Es ist ein großes medizinisches Problem, dass Metastasen oft erst viele Jahre nach einer scheinbar erfolgreichen Krebsbehandlung auftreten“, lese ich weiter, weiß es ja längst und verfalle doch in meine bekannte Angstspirale. #hellodarknessmyoldfried

Über die Angst zu sterben (*Triggergefahr*)

Sie möchte mich abends nicht aus ihrem Zimmer lassen. „Du sollst für immer bei mir bleiben“, fleht meine Tochter, wenn ich ihr abends noch einen Kuss gebe und in mein Bett gehen möchte.
„Auch wenn ich jetzt in ein anderes Zimmer gehe, bin ich trotzdem immer bei dir“, erkläre ich ihr.
Ich sage ihr, dass es unmöglich ist, dass ich sie jemals verlasse, wir im Herzen sowieso verbunden sind und sie sich, immer wenn sie Angst bekommen sollte, sich meine Hand auf ihrem Rücken vorstellen soll, die sie stützen kann.

Schlaflos auf dem Balkon (*Triggergefahr*)

Grashüpfer brauchen scheinbar keinen Schlaf. Ihr Zirpen ist das einzige Geräusch, was ich auf dem Balkon stehend hören kann. Ab und zu auch ein vorbeifahrendes Auto.
Zirpen ist ein komisches Verb. Ich habe es nachgegoogelt. Es bedeutet: „eine Folge von kurzen, feinen, hellen, leicht vibrierenden Tönen von sich geben.“

Es ist 02:30 nachts und ich google unsinnige Dinge, um meine Gedanken zu bändigen.

Dann, ja dann bin ich endlich glücklich

Irgendwann, wenn die Kinder aus der Trotzphase raus sind, dann…
Wenn ich das Studium abgeschlossen habe, dann… Und wenn ich erst in Rente bin, dann…
…und wenn der Punkt kommen sollte, an dem man erkennt, dass es vielleicht gar kein Irgendwann mehr geben wird?

Wenn man nicht mehr einem großen Höhepunkt hinterherjagen kann, um dann, ja dann, auch wirklich zufrieden sein zu können?

Ist der Tod das Ende?

Was kommt, wenn man stirbt und scheinbar nichts mehr kommt?
Die Möglichkeiten: Der Tod ist das ultimative Ende. oder: Irgendetwas von uns existiert nach dem Tod noch weiter. Die erste Möglichkeit frisst mich auf.

Möglichkeit 2 scheint mir eine win-win-Situation zu sein: Entweder habe ich recht oder ich kriege nicht mit, dass ich unrecht hatte.

Weißt du, mein Mädchen…

Weißt du, mein Mädchen, wir leben in merkwürdigen Zeiten.
Gesellschaftliche Erwartungen werden dich vielleicht glauben lassen, dass du besonders schön sein musst, besondere Kleidung kaufen musst oder morgens eine halbe Stunde vor dem Spiegel stehen musst, um dich zu schminken, damit du einem Ideal näher kommst, was vielleicht im theoretischen Sinne perfekter wäre, aber eben weniger du und dadurch auch weniger schön.

Ich habe meine Brüste verloren

Ich habe meine Brüste verloren.
Es ist quasi jeden Morgen das gleiche. Mein Mann hebt ahnungslos die Schultern und ich suche die üblichen Plätze ab: im Schlafzimmer, auf der Waschmaschine oder auf dem Wühltisch im Flur werde ich meist fündig.

Die Frau, deren Mutter starb

„Sie fehlt mir jeden einzelnen Tag“, sagte die Frau, die mir in einer entfernten Stadt an einem unbekannten Flussufer gegenübersitzt und mit mir über den Tod ihrer Mutter spricht.
„Es wird immer eine Lücke da sein und ein Schmerz, der nie wirklich verschwinden wird.“
Aber sie habe gelernt, diesen Verlust in ihr Leben zu integrieren und ihn anzunehmen.

boobies: rest in peace

Die Frau mit diesem Tattoo hat keine Brüste, aber einen wundervollen Sinn für Humor und ein beeindruckendes Lachen. Eines von dieser Sorte, das ausdrückt: ja, ich bin durch wirklich eine ganze Menge Scheiße gegangen. Aber jetzt stehe ich hier und möchte ich das Leben feiern.

Schreibt nicht „Sie war sehr tapfer“ auf meinen Grabstein

Schreibt nicht „Sie war sehr tapfer“ auf meinen Grabstein und kein „sie hat den Kampf verloren“ in meine Traueranzeige.
Wenn ich irgendwann einmal sterbe, schreibt gar nichts. Oder schreibt etwas, was mich wirklich ausmacht.
„Sie mochte den Geruch von frischem Lavendel“ zum Beispiel oder „ich vermisse es, dass das Kissen nicht mehr nach ihr riecht“.

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