Archive for Gedankenschnipsel Seite 3
Kategorie: Gedankenschnipsel

Hier findet ihr einige Texte und Gedanken von mir.

Besuch im Sanitätshaus

„Wäschehaus“
Ich finde den Begriff irgendwie antiquiert, aber er passt zu dem Ambiente, welches das Geschäft ausstrahlt. Hauttöne dominieren an den Ständern mit Miederhosen und praktisch aussehenden BHs und ich reiße sicher einen deutlichen Knick in das Durchschnittsalter der Kundschaft.
„Ich hätte gerne neue Brüste“, sage ich und lege mein Prothesenrezept auf den Tisch.

Das Warum der anderen

Warum tust du nicht mehr fürs Studium?
Warum tust du nicht einfach weniger fürs Studium?Warum verbringst du nicht mehr Zeit mit deinen Kindern?
Warum lässt du deine Kinder nicht länger im Kindergarten?
Warum lässt du deine Kinder so lange im Kindergarten?Warum nimmst du dir nicht mehr Zeit für Selbstfürsorge?
Warum machst du nicht öfter Sport?
Warum meditierst du nicht regelmäßig?
Warum machst du nicht einfach mal gar nichts? Warum ernährst du dich bei deiner Erkrankung nicht ausschließlich biologisch/vegan/regional/saisonal? Warum nimmst du dich selbst nicht wichtig genug?
Warum nimmst du dich selbst zu wichtig?

Über das Muttersein

Es kommt vor, dass ich unfair bin. Dass ihr abends vor mir steht und noch ein Buch anschauen wollt, mir nochmal eure Mückenstiche zeigen möchtet oder ich die Spinne in der Ecke eures Zimmers angucken soll. Und ich euch dann wegschicke, weil ich lernen oder den Haushalt machen möchte. Oder einfach meine Ruhe brauche, weil die Nerven oft eher aufgebraucht sind als der Tag.

Ich gebe mein Bestes und manchmal ist das Beste, was ich zu geben habe, ein „gerade noch genug“. Und gelegentlich vielleicht nicht mal das.

Wie kann ein Umgang mit der Angst aussehen?

Eine Frau Mitte dreißig, sie hatte Brustkrebs und kleine Kinder, stirbt. Ich lese es in den Medien.
Mein Verstand tut das, wofür er ausgelegt ist und verschafft sich Gehör, indem er spitzfindig „Parallele! Parallele!“ ruft.

„Es ist ein großes medizinisches Problem, dass Metastasen oft erst viele Jahre nach einer scheinbar erfolgreichen Krebsbehandlung auftreten“, lese ich weiter, weiß es ja längst und verfalle doch in meine bekannte Angstspirale. #hellodarknessmyoldfried

Über die Angst zu sterben (*Triggergefahr*)

Sie möchte mich abends nicht aus ihrem Zimmer lassen. „Du sollst für immer bei mir bleiben“, fleht meine Tochter, wenn ich ihr abends noch einen Kuss gebe und in mein Bett gehen möchte.
„Auch wenn ich jetzt in ein anderes Zimmer gehe, bin ich trotzdem immer bei dir“, erkläre ich ihr.
Ich sage ihr, dass es unmöglich ist, dass ich sie jemals verlasse, wir im Herzen sowieso verbunden sind und sie sich, immer wenn sie Angst bekommen sollte, sich meine Hand auf ihrem Rücken vorstellen soll, die sie stützen kann.

Schlaflos auf dem Balkon (*Triggergefahr*)

Grashüpfer brauchen scheinbar keinen Schlaf. Ihr Zirpen ist das einzige Geräusch, was ich auf dem Balkon stehend hören kann. Ab und zu auch ein vorbeifahrendes Auto.
Zirpen ist ein komisches Verb. Ich habe es nachgegoogelt. Es bedeutet: „eine Folge von kurzen, feinen, hellen, leicht vibrierenden Tönen von sich geben.“

Es ist 02:30 nachts und ich google unsinnige Dinge, um meine Gedanken zu bändigen.

Dann, ja dann bin ich endlich glücklich

Irgendwann, wenn die Kinder aus der Trotzphase raus sind, dann…
Wenn ich das Studium abgeschlossen habe, dann… Und wenn ich erst in Rente bin, dann…
…und wenn der Punkt kommen sollte, an dem man erkennt, dass es vielleicht gar kein Irgendwann mehr geben wird?

Wenn man nicht mehr einem großen Höhepunkt hinterherjagen kann, um dann, ja dann, auch wirklich zufrieden sein zu können?

Ist der Tod das Ende?

Was kommt, wenn man stirbt und scheinbar nichts mehr kommt?
Die Möglichkeiten: Der Tod ist das ultimative Ende. oder: Irgendetwas von uns existiert nach dem Tod noch weiter. Die erste Möglichkeit frisst mich auf.

Möglichkeit 2 scheint mir eine win-win-Situation zu sein: Entweder habe ich recht oder ich kriege nicht mit, dass ich unrecht hatte.

Weißt du, mein Mädchen…

Weißt du, mein Mädchen, wir leben in merkwürdigen Zeiten.
Gesellschaftliche Erwartungen werden dich vielleicht glauben lassen, dass du besonders schön sein musst, besondere Kleidung kaufen musst oder morgens eine halbe Stunde vor dem Spiegel stehen musst, um dich zu schminken, damit du einem Ideal näher kommst, was vielleicht im theoretischen Sinne perfekter wäre, aber eben weniger du und dadurch auch weniger schön.

Ich habe meine Brüste verloren

Ich habe meine Brüste verloren.
Es ist quasi jeden Morgen das gleiche. Mein Mann hebt ahnungslos die Schultern und ich suche die üblichen Plätze ab: im Schlafzimmer, auf der Waschmaschine oder auf dem Wühltisch im Flur werde ich meist fündig.

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