Archive for Gedankenschnipsel Seite 4
Kategorie: Gedankenschnipsel

Hier findet ihr einige Texte und Gedanken von mir.

Dann, ja dann bin ich endlich glücklich

Irgendwann, wenn die Kinder aus der Trotzphase raus sind, dann…
Wenn ich das Studium abgeschlossen habe, dann… Und wenn ich erst in Rente bin, dann…
…und wenn der Punkt kommen sollte, an dem man erkennt, dass es vielleicht gar kein Irgendwann mehr geben wird?

Wenn man nicht mehr einem großen Höhepunkt hinterherjagen kann, um dann, ja dann, auch wirklich zufrieden sein zu können?

Ist der Tod das Ende?

Was kommt, wenn man stirbt und scheinbar nichts mehr kommt?
Die Möglichkeiten: Der Tod ist das ultimative Ende. oder: Irgendetwas von uns existiert nach dem Tod noch weiter. Die erste Möglichkeit frisst mich auf.

Möglichkeit 2 scheint mir eine win-win-Situation zu sein: Entweder habe ich recht oder ich kriege nicht mit, dass ich unrecht hatte.

Weißt du, mein Mädchen…

Weißt du, mein Mädchen, wir leben in merkwürdigen Zeiten.
Gesellschaftliche Erwartungen werden dich vielleicht glauben lassen, dass du besonders schön sein musst, besondere Kleidung kaufen musst oder morgens eine halbe Stunde vor dem Spiegel stehen musst, um dich zu schminken, damit du einem Ideal näher kommst, was vielleicht im theoretischen Sinne perfekter wäre, aber eben weniger du und dadurch auch weniger schön.

Ich habe meine Brüste verloren

Ich habe meine Brüste verloren.
Es ist quasi jeden Morgen das gleiche. Mein Mann hebt ahnungslos die Schultern und ich suche die üblichen Plätze ab: im Schlafzimmer, auf der Waschmaschine oder auf dem Wühltisch im Flur werde ich meist fündig.

Die Frau, deren Mutter starb

„Sie fehlt mir jeden einzelnen Tag“, sagte die Frau, die mir in einer entfernten Stadt an einem unbekannten Flussufer gegenübersitzt und mit mir über den Tod ihrer Mutter spricht.
„Es wird immer eine Lücke da sein und ein Schmerz, der nie wirklich verschwinden wird.“
Aber sie habe gelernt, diesen Verlust in ihr Leben zu integrieren und ihn anzunehmen.

boobies: rest in peace

Die Frau mit diesem Tattoo hat keine Brüste, aber einen wundervollen Sinn für Humor und ein beeindruckendes Lachen. Eines von dieser Sorte, das ausdrückt: ja, ich bin durch wirklich eine ganze Menge Scheiße gegangen. Aber jetzt stehe ich hier und möchte ich das Leben feiern.

Schreibt nicht „Sie war sehr tapfer“ auf meinen Grabstein

Schreibt nicht „Sie war sehr tapfer“ auf meinen Grabstein und kein „sie hat den Kampf verloren“ in meine Traueranzeige.
Wenn ich irgendwann einmal sterbe, schreibt gar nichts. Oder schreibt etwas, was mich wirklich ausmacht.
„Sie mochte den Geruch von frischem Lavendel“ zum Beispiel oder „ich vermisse es, dass das Kissen nicht mehr nach ihr riecht“.

Liebe Dame vom Bafög-Amt,

Liebe Dame vom Bafög-Amt,

vielen Dank, dass Sie mir fünf Wochen nach meinem Schreiben mitteilen, dass Sie es nicht bearbeiten können, weil darunter meine persönliche Unterschrift fehlt (es ist eine E-Mail, by the way).

Natürlich werde ich Ihrem UNVERZÜGLICHEM Wunsch nachkommen, und NOCHMALS bei diversen Ärzten vorstellig werden, die mir sicher gerne abermals bescheinigen, dass ich während meiner Chemo WIRKLICH gesundheitliche Einschränkungen hatte.

Wenn du all das abziehst, was bist du dann?

Eine Uhr für 20 EUR wird dir die gleiche Zeit anzeigen, wie eine Uhr für 200 EUR. Der Mercedes wird dich zu denselben Zielen bringen, wie der alte Golf. Du kannst natürlich eine Tasche für mehrere hundert Euro kaufen und sie indirekt mit deiner Lebenszeit bezahlen, aber du wirst in ihr dieselben Dinge transportieren können, wie in einem Jutebeutel.

Wer weiß denn schon, wie er fühlen würde?

Ich finde den Gedanken hilfreich, diese Überheblichkeit abzulegen, die mir manchmal vorgaukelt, das Leben anderer Menschen beurteilen zu können. Wie sollte das denn auch funktionieren, wenn man selbst vom eigenen Leben ständig überrascht ist?

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